Chronische Schmerzen und Depression

Chronische Schmerzen und Depressionen beruhen beide auf Stoffwechselstörungen in den Nerven, im Rückenmark und im Gehirn. Die chronischen Schmerzsignale bewirken eine Art Entzündung im so genannten Gliagewebe. Die Folge: Die Schmerzen werden chronisch und es kommen depressive Verstimmungen hinzu. Jetzt gibt es eine Erklärung und eine mögliche Lösung.

Viele Patienten mit chronischen Schmerzen leiden unter erheblichen Verstimmungen, sie fühlen sich chronisch depressiv, gereizt, verunsichert und angespannt. An sich ganz logisch. Jetzt wurde von einem amerikanischen Professor und seinem Forschungsteam herausgefunden, welcher Zusammenhang auf Ebene der Nerven und des Gehirns hierfür verantwortlich ist. Weiter fanden die Forscher, dass das natürliche Schmerzmittel Palmitoylethanolamid (PEA) nicht nur chronische Schmerzen lindern, sondern auch die hinzukommende negative Stimmungslage aufhellen kann. [1]

Wenn Patienten mit chronischen Schmerzen mit PEA behandelt werden, merken sie oft schon nach wenigen Tagen, dass sie sich in ihrer Haut wohler fühlen. Dass sie mehr verkraften können und weniger gereizt sind. Jetzt verstehen wir auch auf biologischer Ebene, wie das zustande kommt. In dem nachstehenden Schaubild ist dies alles zusammengefasst. Wir sehen, wie eine Verletzung eines Nervs, beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall, durch Diabetes oder einen Unfall dazu führt, dass im Gehirn eine Reihe von Stoffwechselveränderungen eintritt. Die positive und bessernde Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels Palmitoylethanolamid ist in den Grafiken innerhalb dieses Schaubilds dargestellt. Der gesamte Artikel kann online kostenlos eingesehen werden (klicken Sie auf den Literaturverweis).

Chronische Schmerzen und Depressionen

Schaubild: Palmitoylethanolamid gegen chronische Schmerzen und Depression

Gestörte biologische Faktoren bei chronischen Schmerzen und Depression

Die Gruppe von Prof. Di Marzo untersuchte eine große Zahl biologischer Faktoren, die für die persistierenden chronischen Schmerzen im Gehirn verantwortlich sind, und eine Reihe von Faktoren, die bei Depressionen und Verstimmungen eine Rolle spielen.
Es zeigt sich, dass sowohl der chronische Schmerz als auch die depressiven Verstimmungen aufgrund einiger Stoffwechselstörungen persistieren und dass der Körper versucht, dies durch die vermehrte Produktion des zellschützenden und entzündungshemmenden Stoffes Palmitoylethanolamid zu korrigieren. Dass PEA dabei eine Rolle spielt, hatten auch andere Forscher schon erwähnt. Diese fanden heraus, dass Antidepressiva wie Imipramin, Escitalopram und Tianeptin eine Zunahme der PEA-Konzentration im Gehirn bewirken konnten.[2] Antidepressiva dieser Art haben jedoch viele Nebenwirkungen, so dass depressive Patienten sie oft absetzen müssen. Viel praktischer wäre es daher, sich die Wirkung des natürlichen Mittels PEA direkt zunutze zu machen. Dies wird nun durch die Arbeit von Di Marzo unterstützt, der fand, dass PEA in Depressionsmodellen tatsächlich eine antidepressive Wirkung hat. Diese Wirkung ist sogar besser als die von Fluoxetin, wie bereits von anderen Forschern berichtet wurde.[3]

Di Marzio und Kollegen verabreichten auch zusätzlich PEA und dann zeigte sich, dass dieses selbstregulierend den Schmerz verminderte und die antidepressive Wirkung noch weiter verstärkt wurde. Sowohl die Stoffwechselstörungen im Gehirn als auch die Schmerzen und die depressiven Symptome nahmen nach der Verabreichung von PEA bedeutend und signifikant ab.

Die Schlussfolgerung war:

“… our findings may provide novel insights into neuropathic pain processes and indicate PEA as a new pharmacological tool to treat neuropathic pain and the related negative affective states.”[“…unsere Ergebnisse können neue Einsichten in das neuropathische Schmerzgeschehen liefern und PEA als neues pharmakologisches Hilfsmittel zur Behandlung neuropathischer Schmerzen und der damit verbundenen negativen affektiven Zustände indizieren.”]

August 2015, Prof. Dr. Jan M. K. Hesselink, Arzt / Schmerztherapeut

Literaturverweis:

[1] Guida F1, Luongo L1, Marmo F2, Romano R1, Iannotta M1, Napolitano F3, Belardo C1, Marabese I1, D’Aniello A4, De Gregorio D1, Rossi F5, Piscitelli F6, Lattanzi R7, de Bartolomeis A2, Usiello A3, Di Marzo V6, de Novellis V1, Maione S8. | Palmitoylethanolamide reduces pain-related behaviors and restores glutamatergic synapses homeostasis in the medial prefrontal cortex of neuropathic mice. | Mol Brain. | 2015 Aug 12;8(1):47. doi: 10.1186/s13041-015-0139-5.

[2] Smaga I1, Bystrowska B, Gawli?ski D, Pomierny B, Stankowicz P, Filip M. | Antidepressants and changes in concentration of endocannabinoids and N-acylethanolamines in rat brain structures. | Neurotox Res. | 2014 Aug;26(2):190-206. doi: 10.1007/s12640-014-9465-0. Epub 2014 Mar 21.

[3] Yu HL, Deng XQ, Li YJ, Li YC, Quan ZS, Sun XY. | N-palmitoylethanolamide, an endocannabinoid, exhibits antidepressant effects in the forced swim test and the tail suspension test in mice. | Pharmacol Rep. | 2011 May-Jun;63(3):834-9.