Behandlung von Krankheiten und Dosierungen

Chronische Schmerzen

PEA ist unbedenklich und ohne Nebenwirkungen, selbst bei Kleinkindern über 4 Jahre. Bei Kindern wurde eine Dosierung von etwa 20 mg/kg Körpergewicht vorgenommen. PEA ist wirksam und sollte viel öfter als Therapiemöglichkeit erwogen werden.

Machen Sie eine Schmerzskala, von keine Schmerzen=0 bis 10=unerträglich große Schmerzen, und lassen Sie den Patienten (oder Sie selbst) bestimmen, wo er sich befindet. Die Veränderungen zu Beginn können subtil sein, besonders wenn der Zustand schon sehr lange besteht.

Viele der Untersuchungen und klinischen Erfahrungen mit Palmitoylethanolamid stehen mit chronischen Schmerzbeschwerden in Zusammenhang, darunter mit schwierig zu therapierenden neuropathischen Schmerzen.

Die umfangreichste klinische Placebo kontrollierte Studie bei chronischen Schmerzen wurde in Italien an 636 Probanden mit starken durch Bandscheibenprobleme verursachten Schmerzen durchgeführt. Hier wurde bei einer Dosierung von 600 mg PEA pro Tag nach einigen Wochen eine signifikante Abnahme der Schmerzen beobachtet (von 7 auf 2 auf einer subjektiven Schmerzskala).(74) Zusätzlich zu dieser Studie wurden auf dem Gebiet des chronischen Schmerzes noch viele andere klinische Studien durchgeführt, die positive Wirkungen erkennen ließen.(29)

Eine gute Maßzahl für die Wirksamkeit eines Schmerzmittels ist die so genannte Numbers Needed to Treat (NNT) oder die Anzahl der notwendigen Behandlungen. NNT gibt die Anzahl der Patienten an, die behandelt werden müssen, um bei einem das gewünschte Therapieziel zu erreichen. Sehr beeindruckend ist, dass PEA bei chronischem Schmerz eine NNT von 1,5 hat. Das ist im Vergleich zu Amitriptylin, einem Schmerzmittel und Antidepressivum aus der Schulmedizin, das bei dieser Indikation oft eingesetzt wird, ein sehr gutes Ergebnis. Amitriptylin hat eine NNT von nur 4,6 und erzeugt darüber hinaus viel mehr Nebenwirkungen.

Palmitoylethanolamid ist bei chronischem Schmerzen somit wirksam und unbedenklich und sollte viel öfter als Therapiemöglichkeit erwogen werden.(178)

 

Palmitoylethanolamid Kreis der Indikationen Abbildung 3:

krankheiten PEA

 

 

 

Indikationen für Palmitoylethanolamid (*Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar)

Rheumatische Schmerzen: Rheumatoide Arthritis, Bechterew, Arthrose

Nervenkompressionsschmerzen: Karpaltunnelsyndrom, Tarsaltunnelsyndrom, Perineale Nervenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Ischias

Entzündungen: Stille Entzündungen, Crohn und IBD (inflammatory bowel disease, entzündliche Erkrankungen des Darms), Erkältung, Grippe

Chronische Schmerzsyndrome: Chronische Ganzkörperschmerzen, Schmerzen nach einem Schleudertrauma, Fibromyalgie, RDS Reizdarmsyndrom

Beckenschmerzsyndrome: Vaginalschmerzen und Vulvodynie, Chronische Prostataschmerzen, Interstitielle Zystitis, Menstruationsschmerzen, Endometrioseschmerzen

Neuropathische Schmerzsyndrome: Schmerzen nach einer Chemotherapie, Diabetische Schmerzen, Gürtelrose, Schmerzen bei MS und CIAP*

Schutz von Zellen und Geweben

Palmitoylethanolamid hat eine breite biologische Wirkung. Aus vielen Tierversuchen, bei denen Zell- oder Gewebeschädigungen provoziert wurden, geht hervor, dass Palmitoylethanolamid diese Zellen und Gewebe vor Schäden schützen kann.(103) Dies wurde zuerst in den 1980er-Jahren erkannt.(104,105) Eines der ersten Gewebe, an denen die schützende Wirkung von Palmitoylethanolamid auffiel, war der Herzmuskel.(106)

Kürzlich stellte sich heraus, dass Palmitoylethanolamid auch die Nierenzellen schützen kann, was besonders für Diabetiker eine wichtige Neuigkeit darstellt.(107)

Prävention und Therapie von Diabeteskomplikationen

Palmitoylethanolamid kann bei Zell- und Gewebeschädigungen, die mit Diabetes Typ 1 oder 2 zusammenhängen, von präventivem und therapeutischem Nutzen sein. Mehrere Experimente weisen darauf hin, ebenso klinische Studien.(108)

Die drei wichtigen Wirkungen von Palmitoylethanolamid dabei sind folgende:

  • Hemmung der Zellschädigung infolge oxidativer oder inflammatorischer Prozesse
  • Unterstützung von Reparaturmechanismen
  • Anregung zur Regeneration

Diese Mechanismen können bei Gewebe- und Organschäden, die sich bei Diabetikern auf lange Sicht entwickeln, große Bedeutung haben.

Diabetische Polyneuropathie

Etwa die Hälfte aller Diabetiker entwickelt mit der Zeit eine periphere Neuropathie durch eine oxidative Schädigung des peripheren Nervensystems. Dies ist der Teil des Nervensystems, der die Reize zwischen dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und den Muskeln, Drüsen und Sinnesorganen des Körpers weiterleitet. Die hieraus entstehenden Beschwerden offenbaren sich meist als Gefühlsminderung in den Gliedmaßen, Schmerzen, motorische Probleme und Ausfallerscheinungen. Aber auch die Nervenleitung zu den lebenswichtigen Organen wie Herz, Leber und Nieren kann gestört werden. In Italien wird Palmitoylethanolamid schon seit Jahren bei diabetischer schmerzhafter Neuropathie, Retinopathie* und Augenbeschwerden verordnet.(109,110) (*Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar)

Klinische Studien lassen den Wert von Palmitoylethanolamid bei durch Diabetes verursachtem neuropathischen Schmerz erkennen.(111) Eine placebokontrollierte Studie hat gezeigt, dass Palmitoylethanolamid (1200 mg/Tag) eine Verbesserung der gestörten Nervenleitung und eine Schmerzminderung bewirken kann.(112) Ferner wurde herausgefunden, dass Palmitoylethanolamid Nerven regenerierende und Nerven schützende Eigenschaften haben kann, was bei einer Erkrankung wie Diabetes von besonderer Bedeutung ist.(113)

Grauer Star und diabetische Retinopathie

Diabetes erhöht das Risiko, an Retinopathie und anderen Augenleiden zu erkranken. Palmitoylethanolamid wirkt der Entwicklung des Grauen Stars entgegen, indem es die inflammatorischen und oxidativen Prozesse hemmt.(114) Es wird in den Nervenzellen des Auges gebildet, vermutlich um die Zellen vor den „Angriffen der Zuckermoleküle“ zu schützen.(115) Studien an Ratten lassen erkennen, dass Palmitoylethanolamid die Entwicklung diabetischer Schäden an den Augen verzögern, darüber hinaus auch den Blutdruck senken kann (was für die Augen ebenfalls von Vorteil ist) und dass es zudem eine schützende Wirkung auf die Gefäßwände ausüben könnte.(116,117)

Diabetische Nephropathie

Mittlerweise ist klar, dass die bei Diabetes eintretende Nierenschädigung auf eine chronische Entzündung zurückzuführen ist.(118,119) Diabetes mellitus ist die wichtigste Ursache für chronisches Nierenversagen. Palmitoylethanolamid aktiviert den Kernrezeptor (PPAR) und schützt dadurch die Niere.(120) In einem Tiermodell für Diabetes mellitus schützt Palmitoylethanolamid (30 mg/kg/Tag) signifikant vor oxidativem Stress während des Krankheitsverlaufs.(121) Auch scheint Palmitoylethanolamid Nierenschädigungen durch Sauerstoffmangel zu beschränken, weshalb seine Verwendung bei Nierentransplantationen in Betracht gezogen werden kann.(122)

Schutz des Nervensystems

Palmitoylethanolamid passiert leicht die Blut-Hirn-Schranke und schützt das Nervengewebe vor oxidativem Stress, bei Sauerstoffmangel und vor Neuroinflammation.(123,124) Vor allem im Gehirn (das einen hohen Energiebedarf hat) werden viele freie Radikale gebildet, so dass diese Verbindung eine wichtige Rolle spielen kann.(125)

Es gibt Hinweise darauf, dass Palmitoylethanolamid das Nervengewebe vor Ischämiereperfusionsschäden* (bei einem Schlaganfall) und akuten Schädigungen des Zentralnervensystems schützen kann. In einem Tiermodell für traumatische Hirnverletzungen schützt Palmitoylethanolamid sowohl das Nervengewebe als auch die Blutgefäße.(126) In diesem Modell zeigt Palmitoylethanolamid seine vielen wichtigen biologischen Wirkungen: Es hemmt die Infiltration von Entzündungszellen in das verletzte Hirngewebe und es regelt die homöostatischen Niveaus und die Niveaus einer Reihe wichtiger Marker, so von Nitrotyrosin* und iNOS* , wieder ein. Schließlich repariert Palmitoylethanolamid die gestörten Verhaltensweisen der Tiere mit Hirnschädigung. Dies alles weist auf eine klare neuroprotektive Wirkung. (127) (*Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar)

Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wurde ein günstiger Einfluss festgestellt, u. a. bei Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und Multipler Sklerose.(128-131) Palmitoylethanolamid hemmt die entzündungs- und altersbedingte Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten in Alzheimer-Modellen und verbessert das Langzeitgedächtnis bei älteren Tieren.(132)

Auf Grundlage dieser Studien wird Palmitoylethanolamid daher als Neuroprotektivum angesehen.(133,134)

Schutz von Nieren und Blase

Im Tierversuch wurde kürzlich beobachtet, dass Palmitoylethanolamid (30 mg/kg/Tag) die Nieren vor oxidativer Schädigung schützt.(135) Zudem kann es die Nieren vor Schäden durch zu hohen Blutdruck schützen.(121) In Tiermodellen der Blasenentzündung konnte Palmitoylethanolamid sowohl die schmerzbezogenen Aspekte als auch die Entzündung hemmen.(136,137)

Auch die chronischen Schmerzreflexe, die bei chronischen Blasenentzündungen entstehen können, konnten mit Palmitoylethanolamid gedämpft werden.(138)

Schutz von Herz und Blutgefäßen

Eine Funktionsstörung des Gefäßendothels (durch Abnahme der Stickstoffmonoxid-Bildung in der Gefäßwand) führt zu einer weniger guten Gefäßerweiterung (Vasodilatation*), einer Erhöhung des Blutdrucks, Zunahme der Arteriosklerose und einem höheren Thromboserisiko. Palmitoylethanolamid hat auf diesen pathologischen Prozess einen günstigen Einfluss.(139,140)

In einer kürzlich veröffentlichten Tierstudie wurde gezeigt, dass Palmitoylethanolamid das Herz über antioxidative, antiapoptotische und antiinflammatorische Mechanismen vor Ischämiereperfusionsschäden (bei Angina pectoris, Myokardinfarkt) schützt.

Unterstützung bei Krebs

Hinweise darauf, dass Palmitoylethanolamid eine Antikrebswirkung hat, stammen bereits aus dem vorigen Jahrhundert.(141) Durch verschiedene Mechanismen, darunter die Inhibition proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α, einen allgemein bekannten Wirkungsmechanismus dieser Substanz, schützt es möglicherweise vor Krebs bzw. Krebsprogression. Aber es gibt dazu noch weitere Gründe, die die Antikrebswirkung von Palmitoylethanolamid erklären können.(142,143)

Palmitoylethanolamid und ähnliche natürliche Verbindungen scheinen nämlich die Apoptose (Zelltod) von Krebszellen beschleunigen zu können.(144) In einem Modell für schwarzen Hautkrebs (Melanom) zeigte sich, dass Palmitoylethanolamid das Wachstum der malignen Zellen hemmen konnte.(145)

Die Nahrungsergänzung mit Palmitoylethanolamid in Tiermodellen konnte die Überlebenszeit bei bestimmten Krebsarten signifikant und auffallend verlängern.(146)

Auch in Brustkrebsmodellen können Palmitoylethanolamid und ähnliche natürliche Verbindungen möglicherweise eine relevante Wirkung haben.(147,148)

Palmitoylethanolamid kann erwiesenermaßen auch den überaktiven Metabolismus von Krebszellen hemmen.(149)

Schutz des Darms

In einem Tiermodell wurde durch Blockade der Blutzufuhr eine Darmschädigung provoziert. Wie sich erwies, konnte Palmitoylethanolamid diese Schädigung begrenzen.(151) In einer kürzlich veröffentlichten In-vitro-Studie wurde beobachtet, dass Palmitoylethanolamid eine hemmende Wirkung auf verschiedene proinflammatorische Marker hatte und dass es makroskopische Manifestationen, die mit Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa einhergehen, verbessern konnte.(176)

Grippe und Erkältung: In sechs klinischen placebokontrollierten Doppelblind-Studien an über 3000 Probanden stellte sich heraus, dass Palmitoylethanolamid bei der Behandlung und Prophylaxe von Grippe und Erkältungen wirksam und unbedenklich ist.

Die dabei eingesetzten Dosierungen variierten zwischen 1200 und 1600 mg pro Tag. Palmitoylethanolamid schien in diesen Studien unbedenklich und ohne Nebenwirkungen zu sein, selbst bei Kleinkindern über 4 Jahre. Bei Kindern wurde eine Dosierung von etwa 20 mg/kg Körpergewicht vorgenommen.

Zusammengefasst reduzierte Palmitoylethanolamid das Gripperisiko um 30-60%.

Bei bereits bestehenden Grippeerkrankungen minderte die Nahrungsergänzung mit Palmitoylethanolamid die Symptomschwere und das Krankheitsgefühl. Außerdem war der Grippeverlauf signifikant kürzer als bei Personen, die keine Nahrungsergänzung erhielten.

Palmitoylethanolamid scheint damit ein wichtiges neues prophylaktisches und therapeutisches Mittel zur Behandlung von Grippe zu sein. Seine Wirkung bietet Möglichkeiten zum Einsatz als natürliche und unbedenkliche Alternative zu Grippeimpfungen und Grippemedikamenten.(177)

Weitere mögliche Anwendungsgebiete für Palmitoylethanolamid. Verschiedene (präklinische) Studien und klinische Erfahrungen lassen an weitere mögliche Anwendungsgebiete für Palmitoylethanolamid denken:
  • Zungenbrennen (Burning Mouth Syndrome): Diese Erkrankung ist wahrscheinlich die Folge einer Small-Fiber-Neuropathie. Palmitoylethanolamid (1200 mg/Tag) hilft manchmal in diesem Fall, vor allem in Kombination mit R-Alpha-Liponsäure.
  • Osteoarthritis, Arthrose, rheumatoide Arthritis und andere rheumatoide Erkrankungen: In-vitro- und tierexperimentelle Studien lassen vermuten, dass Palmitoylethanolamid gegen Gelenkentzündung und die damit einhergehenden chronischen Schmerzen hilft.
  • Migräne: Eine Pilotstudie legt nahe, dass Palmitoylethanolamid (1200 mg/ Tag) die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Migräneanfällen verringert.
  • Glaukom: Verbindungen wie Palmitoylethanolamid spielen eine Rolle beim Schutz der Augen bei Glaukom (Grüner Star).(152-154)

Zwei verschiedenen klinischen Studien zufolge führte die Nahrungsergänzung mit Palmitoylethanolamid (1200 mg/Tag) zu einer Verbesserung des Augeninnendrucks. (155,156) Die alleinige Anwendung von Palmitoylethanolamid bei Glaukom scheint aufgrund der mäßigen Wirkung jedoch nicht so ratsam. Allerdings kann es einem Behandlungskonzept für Glaukom beigefügt werden, wenn die Wirksamkeit der anderen Medikamente verbessert werden muss.

  • Juckreiz: Palmitoylethanolamid wirkt schmerzstillend, scheint aber auch den Juckreiz zu besänftigen.(157)
  • Kounis-Syndrom: Diese besondere Form der Angina pectoris ist durch viele und übermäßig aktive Mastzellen im Herz gekennzeichnet(158,159); Palmitoylethanolamid hemmt die Aktivierung der Mastzellen.(160)
  • Atopisches Ekzem und Psoriasis: Durch seine entzündungshemmende Wirkung kann Palmitoylethanolamid bei diesen beiden Hautentzündungen positive Unterstützung leisten.(161-164)
  • Verschiedene chronische Erkrankungen, bei denen Mastzellen eine pathologische Rolle spielen, von der Strahlenproktitis bis zum Reizdarmsyndrom (RDS).(165-167)